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Mein Au-pair Alltag in Perth – voller Emotionen und Herausforderungen

Gastfamilie gefunden, Flüge gebucht, Visum beantragt, Abitur geschafft – und los geht die Reise nach Australien!

Nach einem gefühlt ewig langem Flug kam ich mitten in der Nacht in Perth an, wo mich Mark, mein Gast-Papa, am Flughafen abholte. Wir erkannten uns sofort und die Begrüßung war sehr herzlich. Und hey: ich war das erste Au-pair von ihnen, das nicht den Anfängerfehler gemacht hat und auf der falschen Seite des Autos eingestiegen ist 😉 Wie die meisten wohl wissen, fahren die Australier auf der linken Straßenseite, dementsprechend sind auch die Autos andersrum gebaut!

Zugegebenermaßen waren meine ersten Tage und Wochen in Perth echt nicht leicht. Die Kinder hatten zwei Wochen Ferien. Das bedeutete für mich, dass ich in der ersten Woche jeden Tag von 8:30 Uhr bis 18 Uhr auf die beiden Kinder aufpassen musste. Meine zu betreuenden Kiddies hießen Aiden (5 Jahre) und Emma (7 bzw. 8 Jahre). Ich war das fünfte Au-pair in der Familie und die beiden Kiddies waren natürlich nicht blöd und wollten erstmal meine Grenzen testen. Das endete meistens im totalen Chaos.

kiddies
Aiden und Emma am Strand.

Ich war echt mit allem überfordert. Die beiden konnten grundsätzlich nicht miteinander spielen. Das heißt, dass ich mich eigentlich hätte zweiteilen müssen um beiden gerecht zu werden. Wenn Aiden Lego spielen wollte, wollte Emma draußen Basketball spielen. Wenn Aiden Playstation spielen wollte, wollte Emma unbedingt auf den Spielplatz. Ich musste ständig Kompromisse mit den beiden schließen, was auch nach einer gewissen Zeit gut geklappt hat. Aber die beiden haben sich die meiste Zeit einfach gegenseitig nur gezankt und gestritten.

Ich hatte so Heimweh und habe in der ersten Woche jeden Abend nur geweint und wollte alles abbrechen, weil ich mir das Au-pair Leben gar nicht so vorgestellt hatte. Auch meine Gasteltern konnten mir nicht wirklich weiterhelfen. Um mich etwas zu entlasten, schickten sie ab und an wenigstens mal den Opa vorbei, sodass ich wenigstens ein bisschen Zeit für mich hatte, bzw. die Zeit musste ich dann meistens für Aufräumen, Essenszubereitung oder Wäsche waschen opfern, weil ich da sonst einfach nicht zu gekommen bin.

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Einziger Lichtblick am Ende der ersten Woche war ein gemeinsamer Urlaub mit der Familie! Es ging „downsouth“ in den Süden von Western Australia. Dort hatte die Familie mitten im Nirgendwo ein kleines, süßes Häuschen gemietet und wir haben täglich irgendwelche Ausflüge gemacht. Leider hat das Wetter nicht so mitgespielt. Wer denkt in Australien ist das ganze Jahr Hochsommer, irrt sich leider. Ich bin im Juli, also im australischen Winter, dorthin geflogen. Besonders im Süden von Australien kann es dann richtig kalt werden und Minusgrade sind keine Seltenheit (Funfact: im Jahr 2010, als ich dort war, war das der kälteste Winter seit 100 Jahren oder so). Es regnete den halben Tag und ich habe den ganzen Tag gefroren, da die Häuser keine Heizungen haben – sondern nur so kleine Heizöfchen.

regenbogen

Nachdem die zweiwöchigen Ferien vorbei waren, freute ich mich riesig auf die Sprachschule und neue bzw. überhaupt mal andere Leute kennenzulernen.  Ab da ging dann auch mein richtiger Au-pair Alltag vor, den ich euch hier vorstellen möchte:

6 – 6:30 Uhr: Aufstehen, Duschen, Fertig machen

7 Uhr – 8 Uhr: Frühstück vorbereiten und essen, danach den Kindern beim Anziehen, Zähne putzen etc. helfen

8:30 Uhr: Kinder zur Schule fahren

9 Uhr – 14:30 Uhr: in den ersten 4 Wochen Schule, danach war das quasi meine Freizeit

15 Uhr: Kinder von der Schule abholen, im Park oder auf dem Spielplatz spielen, zum Sport oder Freunden fahren, Hausaufgabenbetreuung etc.

17 Uhr: Kinder unter die Dusche stecken: Das war jeden Tag aufs Neue eine riesen Herausforderung!

18 Uhr: Eltern kommen von der Arbeit heim und kochen das Abendessen

19 Uhr: Essen und Tisch abräumen, spülen etc.

20 Uhr: Kinder müssen ins Bett, ich habe dann immer noch mit den Eltern Fernsehn geschaut oder mit meinem Freund geskypt.

zauberwald
Zauberwald!

Neben der täglichen Kinderbetreuung musste ich auch noch einmal pro Woche das komplette Haus (inkl. 3 Badezimmer!) putzen und die Wäsche der ganzen Familie waschen und bügeln. Anfangs habe ich das immer samstags gemacht, weil ich ja vormittags zur Schule musste. Nachdem ich den Sprachkurs abgeschlossen habe, habe ich mir diese Aufgaben dann immer unter der Woche aufgeteilt, damit ich am Wochenende frei hatte und was mit den anderen Au-pairs unternehmen konnte! Zurückblickend bin ich immer noch zwiegespalten über die Au-pair Zeit in Australien: Für mich war es ein unheimliches Abenteuer ein Leben in einem völlig neuen Land und Alltag zu leben, aber die Kinder haben es mir teilweise echt nicht leicht gemacht und ich habe sehr oft an mir gezweifelt und wollte alles hinschmeißen. Auch von den Eltern habe ich eher keine Unterstützung bekommen, denn selbst sie waren teilweise überfordert. Das habe ich vor allem am Wochenende gemerkt, wenn sie die ganze Zeit mit den Kindern verbracht haben. Aber: ich habe in dieser Zeit so viel gelernt wie noch nie zuvor in meinem Leben! Ich bin extrem selbstständig geworden, musste sehr oft über meinen Schatten springen und habe insgesamt für meine Persönlichkeit, aber auch mein Leben im Allgemeinen so viel mitgenommen. Das hätte ich im Vorhinein niemals gedacht! Ich bin auf jeden Fall unheimlich stolz, dass ich nicht abgebrochen oder die Familie gewechselt und es einfach durchgezogen habe! 🙂

 

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2 thoughts on “Mein Au-pair Alltag in Perth – voller Emotionen und Herausforderungen”

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